Hallo liebe Besucher!


Diese Präsenz ist seit dem 2.2.2020 nur noch zu Archivzwecken online.
Die hier gespeicherten Inhalte werden nicht mehr redaktionell gepflegt oder erweitert.
Das offizielle Angebot des TAM OST in Rosenheim finden Sie nach wie vor unter www.tam-ost.de.

EIN SOMMERTAG

Komödie von Sławomir Mrożek

ZUM STÜCKZUR KRITIK
2012 - Plakat - Ein Sommertag

2012 – Plakat – Ein Sommertag

Vorstellungstermine: 
PREMIERE
– Samstag, 22. September, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 28. / 29. September, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 5. / 6. Oktober, 20 Uhr
Sonntag, 7. Oktober, 17 Uhr
Freitag / Samstag, 12. / 13. Oktober, 20 Uhr
Freitag / Samstag, 19. / 20. Oktober, 20 Uhr

Im Ensemble TAM OST spie­len:
Sabine Herrberg, Klaus Schöberl und Alexander Schoenhoff

Regie und Bühnenbild: Stefan Vincent Schmidt
Kostüm: Ensemble
Technik: Gerhard Sellmair
Plakat: Alexander Schoenhoff

Zum Inhalt:

"Wehe, die Dame und Wohl" Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Wehe, die Dame und Wohl„
Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff
Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Wehe, ein Mensch, dem alles miss­lingt, möch­te sich erhän­gen. Dabei trifft er auf Wohl. Dem gelingt zwar alles sofort, doch auch er ist des Lebens über­drüs­sig, gera­de weil es ihm nichts Neues mehr bie­ten kann.

Die Selbstmordabsichten der bei­den fin­den ein jähes Ende, als eine Dame ihren Weg kreuzt. Wehe ist sofort ver­liebt und hofft, dass sich nun sein Leben ändern könn­te. Gemeinsam fol­gen die bei­den der Dame, und ein Zweikampf um ihre Gunst beginnt. Aber kann der sie­ges­ge­wohn­te Wohl es ertra­gen, wenn sich die Dame für den ewi­gen Verlierer ent­schei­det? Wird aus dem Verlierer viel­leicht ein Gewinner und umge­kehrt? Und wel­che Rolle spielt die Dame über­haupt?

Diese tra­gi­sche Komödie des pol­ni­schen Autors Sławomir Mrożek wur­de 1984 in Stockholm zunächst in schwe­di­scher Sprache urauf­ge­führt, die deut­sche Erstaufführung war 1986. Anfangs arbei­te­te Mrożek als Karikaturist, aber auch sei­ne Bühnenstücke, durch die er Weltruhm erlang­te, ste­hen in ihrer sati­ri­schen Schärfe und mit grif­fi­gen Pointen sei­nen Cartoons in nichts nach.

OVB 25.09.2012, Kritik von Margit Jacobi
(Original siehe: https://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/groteskes-spiel-wohl-wehe-2519219.html)

EIN SOMMERTAG” VON SLAWOMIR MROZEK
IM ROSENHEIMER TAM OST

Groteskes Spiel mit Wohl und Wehe

"Wehe, die Dame und Wohl" Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Wehe, die Dame und Wohl„
Klaus Schöberl, Sabine Herrberg und Alexander Schoenhoff
Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Er ist erfolg­rei­cher Autor absur­der Geschichten und so eine erzählt Slawomir Mrozek, pol­ni­scher Schriftsteller von Bühnenstücken, in sei­ner Komödie „Ein Sommertag”. Für einen Regisseur wie Stefan Vincent Schmidt ist die­se Groteske höchst reiz­vol­ler Stoff für eine span­nen­de Inszenierung, mit der nun die Theatersaison die­ses Herbstes im TAM OST in Rosenheim eröff­net wur­de.

Wohl und Wehe hei­ßen die bei­den Protagonisten und jeder gibt ein wahr­haf­tes Beispiel sei­nes Namens. Zu Beginn steht Wehe auf einer wei­ßen Bank in schwar­zer Kulisse. Ein Strick bau­melt von oben und Klaus Schöberl als Wehe demons­triert köst­li­che Pantomime bei dem Versuch, sich auf­zu­hän­gen. Seine Mimik, sei­ne Körpersprache sind ein ein­zi­ges Trauerspiel. Alsbald stört ihn Wohl mit sei­nem Erscheinen. Er igno­riert den ver­such­ten Suizid und reizt so Wehe bis zum Wutanfall. Gehen las­sen aber will er Wohl auch nicht, er braucht ihn, um über ein miss­glück­tes Leben zu kla­gen, und Schöberl ist vor­treff­lich in sei­ner Suada.

"Die Dame, Wehe und Wohl" Sabine Herrberg, Klaus Schöberl und Alexander Schoenhoff Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Die Dame, Wehe und Wohl„
Sabine Herrberg, Klaus Schöberl und Alexander Schoenhoff
Bild: Margit Jacobi, ovb 2012

Seinem Pendant, dem über­sät­tig­ten Wohl, ver­leiht Alexander Schoenhoff kon­ge­ni­al die Entsprechung die­ser Figur. Erfolgsverwöhnt, ele­gant, selbst­be­wusst, bis arro­gant ist er der Bonvivant schlecht­hin. Vereint aber sind bei­de in ihrem Vorhaben, ihrem Leben ein Ende zu set­zen. Wehe gelingt nichts, Wohl alles. Der eine ver­zagt am Leben, der ande­re ist des Lebens über­drüs­sig. Doch Wehe hat immer­hin die Hoffnung. Herrlich maka­ber, wenn sich bei­de jeweils den Vorzug beim Selbstmord geben wol­len: „Bitte nach ihnen”.

Auch die­se Absicht wird unter­bro­chen, dies­mal von einer vor­über­ge­hen­den Dame, die mit dem zar­ten Grau ihres Ensembles bild­haft die fei­nen Zwischentöne zum gedank­li­chen Schwarzweiß der Herren setzt. Wehe ver­liebt sich augen­blick­lich, braucht aber Wohls Beistand, um sie anzu­spre­chen. Es wird kei­ne Menage à trois, aber ein Kampf um die Gunst der Schönen. Wehe zögert und stot­tert, Wohl setzt sei­ne Züge über­dacht wie beim Schach und gibt sich des­in­ter­es­siert. Die Dame aber genießt die Situation zwi­schen zwei Männern und Sabine Herrberg ver­kör­pert hin­rei­ßend das raf­fi­nier­te Weibchen, das koket­tiert und pro­vo­ziert.

Die drei Schauspieler kos­ten das Vergnügen an ihren Rollen weid­lich aus. Wunderbar redu­ziert, klar und prä­zi­se wie die­se Inszenierung, ist das Bühnenbild. Gekonnt wer­den am jewei­li­gen Szenenende die Requisiten an der Rückwand der Kulisse auf­ge­hängt, wo sie das Vorhergegangene ver­bild­li­chen. Das hohe Bild im Hintergrund zeigt Wald, Gemäuer oder Strand im schma­len Ausschnitt als jewei­li­gen Ort des Geschehens an.

Nicht nur die Dame ist berührt, wenn Wehe als selbst­los Liebender ihr sei­ne Empfindungen offen­bart. Das Theater, das sie erwä­gen zu besu­chen, weist in sei­ner Handlung die Gleichheit zu dem Spiel, das eben auf der Bühne statt­fin­det, auf. Das Ende, noch ist es offen. Die Liebe macht Wehe stark und mutig, ohne Angst vor Konsequenzen. Der ewi­ge Nichtschwimmer wagt sich ins Meer. Wohl hat ihn dazu ermun­tert und dann doch wie­der den alten Zweifler in Wehe geweckt. In die­ser letz­ten Szene pokert Wohl auf sei­ne Weise. Kann ein Sieger ver­lie­ren, ein Pechvogel gewin­nen? Ist es mög­lich, den ewig glei­chen Part im Leben abzu­ge­ben, die Rollen zu tau­schen, ein neu­es Spiel zu spie­len?

Man muss sich die­sen „Sommertag” anse­hen, um es zu erfah­ren und um einen außer­ge­wöhn­li­chen Theaterabend zu erle­ben. Der Regisseur Stefan Vincent Schmidt schuf zusam­men mit sei­nen exzel­len­ten Schauspielern ein Theatererlebnis voll Komik und Tragik, das beein­dru­ckend nach­wirkt.

Das könnte dich auch interessieren …